Suzuki RGV 250 und Cagiva Supercity 125 (1)

von in 250er, Cagiva, Sportler / Racing, Suzuki, Zweiradstories mit 3874 Views

Wiederholungstäter – Suzuki RGV 250

Es wird mal wieder Zeit für etwas Input in eigener Sache. Nicht wirklich „Motorrad News“, eher der Blick zurück. Die heimische Garage hat Zuwachs bekommen und dürfte sich über ein bekanntes Gesicht freuen: eine Suzuki RGV 250 Typ VJ22B ist eingezogen. Nicht das erste Mal, denn damals im Jahre 2007 fand bereits ein knatterndes Kleinod in mir einen neuen Besitzer.

Zwei Takte – weil’s einfach schöner ist

RGV 250 Nummer 1 war ein 92er Modell, wer sich etwas mit dieser Modellreihe beschäftigt hat, konnte dies durch das Zwei-Kiemenheck und den Verzicht auf die Bananenschwinge auch gleich erkennen.

Nun mein Erstkauf war weit davon entfernt original zu sein, was mich persönlich kein bisschen gestört hat. Zahlreiche Umbauteile wie die TL1000 Bremszangen, Arrow Racing Anlage, Kleinteil XYZ und natürlich die (wirklich piekfein ausgeführte) Lackierung in den Werksfarben von Kenny Roberts, erfreuten mehr den Besitzer als Sammler. Der Kilometerstand betrug zum Kauf erst um die 11.000 Kilometer, aus heutiger Sicht muß ich sagen…ob der mal echt war. So war die RGV 250 also da und parkte neben meiner damaligen Yamaha FZR600R (4JH) – Ende gut alles gut?

Das war mal, damalige RGV 250 mit ihrem "großen" Schwesterchen Yamaha FZR 600R.

Das war mal, damalige RGV 250 mit ihrem „großen“ Schwesterchen Yamaha FZR 600R.

Irgendwie nicht, gute 1500 Kilometer später verkaufte ich das gute Stück wieder. Geistige Umnachtung, eine falsche Polung der Synapsen im Gehirn…wer weiß das schon. So war ich also bereits 2008 wieder um zwei Takte ärmer, der nächste blödsinnige Verkauf fand mit der FZR statt. Stattdessen parkte nun eine Honda VFR800 in der Garage.

Dieses kleine fette Eisenschweinchen, was ständig mit zu wenig Spannung mehr Stand als fuhr. Mag sein, daß der Motor ein Dauerläufer ist und der Rest der Mechanik auch fast für die Ewigkeit taugt, aber warum der Mann aus Japan quasi durch alle Baureihe derart miese Laderegler verbaut, das leuchtet mir nicht ein.  Um nicht weiter auszuholen, die VFR wurde bereits wenige Monate später wieder dem freien Markt überlassen.

Kurzer Auftritt, die VFR800 war für sich ein tolles Motorrad, mit der Zickigkeit einer italienischen Diva der 70er Jahre. Glückstreffer oder so.

Kurzer Auftritt, die VFR800 war für sich ein tolles Motorrad, mit der Zickigkeit einer italienischen Diva der 70er Jahre. Glückstreffer oder so.

So ging für mich ein turbulentes Jahr 2008 zu Ende. Es folgten Yamaha Fazer und Honda Dominator, letzterer verdanke ich mein nun teilweise steifes rechtes Handgelenk, shit happens. Zumindest blieb die Erfahrung, daß man Verkäufe auch bedauern kann – irgendwo wusste ich wohl doch, daß die RGV 250 hätte bleiben sollen.

Etwas Kritik am Modellkatalog der Hersteller? Logo!

Vier Jahre hat es gedauert, bis die Entscheidung gefallen war: dergleichen muß wieder ins Haus! Wirklich begeistern kann ich mich aktuell für kein neues Motorradmodell auf dem Markt. Zu einseitig, zu sehr auf eine „breite Käuferschicht“ ausgerichtet, zu viel Leistung.

Boing! Wo auch neu gekauft werden sollte, wurde es eine alte Dominator. Treue Seele ohne Macken, bis die Leitplanke unserer Beziehung ein Ende setzte - Zwangspause.

Boing! Wo auch neu gekauft werden sollte, wurde es eine alte Dominator. Treue Seele ohne Macken, bis die Leitplanke unserer Beziehung ein Ende setzte – Zwangspause.

In der Preisklasse bis 12.000 Euro gibt es recht viel, nur blöd wenn die außer einem Schulterzucken keine Reaktion auslösen. Wo sind von Honda die schönen Retro-Klassiker? Warum muß der Markt mit bleischweren Reisedampfern in Form der VFR1200 Modelle gequält werden? Was hat denn Yamaha noch für Modelle im Schaufenster stehen, die einem mit erhobener Augenbraue näher schreiten lassen, um kleine und sehr feine Details zu bewundern? Wenn ich schon am nörgeln bin, Kawasaki hat sich über die Jahre toll entwickelt, dafür gibts Lob – die W800 wäre sogar ein potenzieller Kandidat für mich.

Was bleibt noch…ach ja, Ducati.  Retro wurde versucht, das Auge hat es gefreut, bloß leider die Käufer nicht. Eine Monster sieht auch nicht mehr wie ein Monster aus und der Hang zur Überleistung, um ja nicht den „Anschluss“ an die ganzen Rennfahrer auf dem Planeten mit Vierzylinder zu verlieren, wächst auch immer weiter. Eine Panigale ist lecker, ohne Frage, aber kaufen? Hm, nein, zu extrem. Bis auf Moto Guzzi und den kreativ und sehr sauber arbeitetenden Umberto Borille, war es das mit dem Programm der Hersteller für mich.

Nix dabei gewesen, das kann’s doch nicht sein! Wer wundert sich da noch, daß der Motorradmarkt böse am schrumpfen ist und das hohe Durchschnittsalter die größte Käufergruppe stellt? Tschüss Nachwuchs, tschüss Motorrad – oder so.

Jetzt aber! Eine neue Suzuki RGV 250 muß her!

Hätte ich einen Psychiater gebraucht, er würde wohl Applaus klatschen, weil ich mir den Frust von der Seele geschrieben habe. Dabei finde ich mich noch nicht mal sooo alt, wenn knapp 32 auch nicht mehr sooo jung sind. Wie kann es sein, dass der Motorradmarkt immer mehr vernachlässigt wird, von so vielen Menschen gerade in meinem Alter wo die finanziellen Bedingungen meist am stabilsten sind?

Zurück zum Zweitakter, Jugendtraum Cagiva Supercity, nicht mehr ganz jungfräulich.

Zurück zum Zweitakter, Jugendtraum Cagiva Supercity, nicht mehr ganz jungfräulich.

Zeit also auf die Suche zu gehen, im Gebrauchtmarkt, das Thema Neumotorrad wurde abgehakt. Da fiel mir doch auch wieder die kleine, hübsche Suzuki RGV 250 ein. Blau/Weiß – ja das hat schon was. Erlebnisse aus der Kindheit beim Onkel in der Garage, wo die Zehn noch nicht erreicht war, haben dieses Bild im Kopf hinterlassen. Also war auch klar, daß die RGV unbedingt Blau/Weiß sein sollte. DAS und Original.

Im Gegensatz zur ersten 250er, wollte ich nun einfach nur ein Motorrad aus jener Zeit, welches mir optisch und technisch so gefallen hat. Zu aktueller Zeit ruht bereits ein kleiner Zweitaker in der Garage, die Cagiva Supercity 125 ist so ein Mopped, daß um 1996 mein Traum war – ein sehr teurer Traum. Heute sind fast nur noch mit Glück Exemplare zu finden, meine stand in der Werkstatt eines Kumpels in der hintersten Ecke und war in einem recht erbärmlichen Zustand. Eine Art Rettungsmission, das tat mir doch schon sehr leid.

Achtung: wir suchen DEINE Geschichte zu DEINEM Motorrad! Wir freuen uns über Zusendungen an info@motorrad-news.com. Fotos bitte in guter Qualität,schon findet dein Bericht den Weg auf unseren Blog!

Auf nach Wien zur RGV!

Ja ist das geil? Im Netz der einschlägigen Börsen war absolut keine 91er RGV zu finden, die nicht schon durch die Hände semiprofessioneller Fahrer oder Umbaukünstler gewandert war. Eine RGV mit 45.000 war mir zu heiß, 1-2 im guten Zustand waren…kein Kommentar. Was einige Menschen als „gut“ definieren zeugt doch von großer visueller Vorstellungskraft. Also ganz klassischen bei Google „Verkaufe Suzuki RGV 250“ eingetippt und an dritter oder vierter Stelle fand sich ein Inserat auf willhaben.at, den Österreichern mag das ein Begriff sein, mir nicht.

Der Kilometerstand zeigte keine 14.000, bis auf die fehlenden Blinker und nur einen Spiegel sah die sehr gut aus. Der Verkäufer war glaubhaft und sehr nett, quasi ein Kauf aus (fast) erster Hand, Fröhlichkeit breitete sich aus :-) Mit Freund und Anhänger ging es vom Sachsenring runter nach Wien und am Nachmittag wieder zurück – bei strahlenden Sonnenschein, gutes Zeichen!

Ja nun, jetzt steht das gute Stück daheim! Sie wird bis auf einige minimale Änderungen auch so bleiben wie Sie nun aussieht: original. Die kleinen Änderungen beziehen sich auf Miniblinker und die verstärkten Auslassschieber vom Spezi Förster. Ein heikles Bauteil, schlagen diese doch ab der Laufleistung von mehr als 10.000 Kilometern gern im mittleren Stift aus und naschen dann direkt am Kolben. War auch bei meinen so, noch im akzeptablen Bereich. Ansonsten kommt nur Kosmetik zum Einsatz und der Tausch von Verschleißteilen: Reifen, Kette, sämtliche Flüssigkeiten und Bremsbeläge. Fertig, jetzt kann die erste Ausfahrt kommen!

Da wäre der kleine Zweitakter:

Blau und Weiß, so muß das sein! Die 91er trägt die bildhübsche Bananenschwinge, welche schon kurze Zeit später wegrationalisiert wurde (zu teuer).

Blau und Weiß, so muß das sein! Die 91er trägt die bildhübsche Bananenschwinge, welche schon kurze Zeit später wegrationalisiert wurde (zu teuer).

Der Trend geht zu mehr Hubraum, war mir doch schon immer klar ;-)

Der Trend geht zu mehr Hubraum, war mir doch schon immer klar ;-)

Ein originaler Auspuff ohne Kratzer, das Heck mit drei Kiemen und weiße Felgen, schön!

Ein originaler Auspuff ohne Kratzer, das Heck mit drei Kiemen und weiße Felgen, schön!

Fazit: Leistung ist nicht alles, zumindest nicht für mich. Den unverfälschten Motorradspass bieten auch die alten Gurken im gepflegten Zustand, abseits von ABS, ASR und anderen technischen Pflichtprogrammen.

Fazit: Leistung ist nicht alles, zumindest nicht für mich. Den unverfälschten Motorradspass bieten auch die alten Gurken im gepflegten Zustand, abseits von ABS, ASR und anderen technischen Pflichtprogrammen.

Gruß ins Zweitaktforum!
Markus