deauville

von in Allgemein, Cruiser / Chopper / Bobber, Honda, Zweiradstories mit 2897 Views

Vergleich Ville-Magna-Wing

irgendwie nicht ganz fair, zumindest nicht auf den ersten blick, aber trotzdem, warum denn nicht? drei hobel aus dem generationen-repertoire von Honda, verschiedene motorrad- und motorenkonzepte… und alle drei mit entsprechend unterschiedlichem charakter, aber trotzdem sprichwörtlicher honda-qualität und zuverlässig wie ein schweizer uhrwerk…

fangen wir mal bei der „kleinsten“ an, der Deauville, eine RC47 aus dem Jahr 1999, also des zweiten baujahres der berühmten deuaville-reihe…

Honda NT650V Deauville (RC47), Bj. 1999

Honda NT650V Deauville (RC47), Bj. 1999

 

die ville kann ihre abstammung einfach nicht verleugnen: die berühmt-berüchtigte NTV ist der urahn der ville, wie sie unter den villern liebevoll genannt wird…

ein V2 in einem brückenrahmen, kardan, 5-gang-getriebe, tourenausstattung, in der abbildung mit beinschildern, großen koffern, topcase und MRA-varioscreen… optisch unscheinbar, beinahe bieder, technisch ausgereift, drei-ventil-technik mit doppelzündung, SLS (sekundärluftsystem), wasserkühlung und ausgeklügelter, stabiler und nicht klappernder vollverkleidung, ergonomisch ansprechende sitzhaltung mit verstellbarer federvorspannung am hinterrad, einstellbar mit handrad unter der verkleidung, kein werkzeug nötig!

das handling im gegensatz zu den 250kg erstaunlich leicht, richtig leichtfüßig läßt sie sich durch enge kehren oder engstes straßengewinkel jagen, bis 160 im solobetrieb ruhiges fahrverhalten, endgeschwindigkeit ist mir nach wie vor unbekannt, der einzige konstruktionsfehler ist die benzinpumpe, der einzige grund, warum eine ville liegen bleiben kann…

mit ihren 56 pferden aus dem V2 nicht gerade ein rennpferd, da der V2 aber recht langhubig ausgelegt ist, wuchtet sie trotzdem schon bei gut 5000 rpm 60Nm aufs hinterrad, das reicht für eine durchwegs passable beschleunigung in beinahe jeder lebenslage, klar, einen porsche kann man damit nicht jagen, aber ein golf oder a3 kann durchwegs ein spaßiges opfer sein… eine gixxe kann man durchaus in den spitzkehren des appenzells in die verzweiflung treiben, die handlichkeit und kurvengängigkeit ist sensationell, langstrecken kein problem und vom verbrauch her, nun, nur zu fuß bist billiger unterwegs…

das einzige manko ist, abgesehen von der benzinpumpe, die man aber durchaus entweder durch ein kupferrohr oder durch einfache lötkenntnisse ihres mangels beheben kann, der für sozius-betrieb zu lahme motor auch die bei 250kg zu mickrige durchzugsleistung, wenn dir auf weiten landstraßen eine magna am hintern klebt… aber unter gleichartigen eine brave und zuverlässige reisegefährtin, die auch im alltag eine gute figur macht… ein spaßbringer halt, wenn man keine rennsemmel erwartet!

kommen wir zur nächstgrößeren, der Magna, in diesem falle eine RC43 aus dem jahr 1994…

Honda VF750C Magna, RC43, Bj. 1994

Honda VF750C Magna, RC43, Bj. 1994

 

was hier so elegant am ufer des bodensees in der sonne glänzt und mit schlanker und langgestreckter silhouette posiert, das ist in wirklichkeit der schrecken aller harley-fahrer, der albtraum jedes buell-treibers auf der autobahn und der traum meiner frau, in deren besitz sich dieses urvieh des powercruiser-wahns befindet…

damals wurde die magna als chopper bezeichnet, heute reiht man sie in die kategorie der powercruiser ein, dabei sieht sie so brav hd-kopienmäßig aus… nun, die wasserkühlung hat auch bei hd mit der v-rod einzug gehalten, so wie es die trude und andere schon lange machen, aber eines, was angeblich hd am köcheln hat, hat es abgesehen von der magna sonst noch nirgends gegeben: der V4 in einer chopper! hier ist er!

man nehme aus der RC30, einer VF750-rennmaschine mit irrer leistung den V4, ersetze die ventilsteuerung durch kettentrieb und obenliegenden nockenwellen und optimiere das ganze auf ein gleichmäßiges drehzahl-drehmomentenband und dann schnitze man eine schöne, langgestreckte, klassische silhouette drum herum und verpasse dem ganzen ein 4-rohriges auspuffsystem mit resonanzrohren zwischen den beiden übereinander liegenden reso-körpern jeder seite… und dann lasse man das auf die „wüden mit ihra maschinn“ los…

vier vergaser beatmen und versorgen vier zylinder, die wiederum durch vier auspussrohre ausblasen… eine einfache rechnung! roter bereich bei irgendwo 10.000rpm geben der rechnung recht… das maximaldrehmoment von 80 Nm und die nennleistung von 88 pferden ebenfalls, hinter der magna nur mehr die sintflut, anders kann der grundgedanke nicht gelautet haben… die einzige konkurrenz damals kam vom drag-strip und nannte sich Vmax…

dabei blieb aber kurventauglichkeit oder komfort nicht auf der strecke, für einen cruiser mit der irren power ist sie sogar verdammt bergfreudig! der furka läßt sich genauso locker wie mit der ville bezwingen, nur eben durchgehend im dritten gang, wo ein viller hin und wieder doch mal die zweite braucht…

langgezogene bergkämme, das revier der magna, die grenzerfahrung für jeden hd-fahrer, der dort einer magna im weg ist… 98dB sind der untergang jeder hd-tröte…

die autobahn, 200 auf der gixxe und dann setzt die lady auf der „chopper“ den blinker, winkt fröhlich und zieht vor… klar, die gixxe setzt nach, aber in drei teufels namen, wie kann bei 200 eine chopper noch locker vor ziehen? wie kann sie bei 240 noch tempo halten, vielleicht sogar noch erhöhen? was geht denn da ab? wie schnell geht das vieh überhaupt? ganz ehrlich? keine ahnung, 180 haben mir gereicht… bin doch kein terminator!!!

dann schließen wir den vergleich mit der größten aus dem trio ab, der Honda GL1500/6 SE Goldwing, SC22, Bj. 1996, ab…

Honda GL1500/6 SE Godlwing (SC22), Bj. 1996

Honda GL1500/6 SE Godlwing (SC22), Bj. 1996

 

die königin der landstraße, 400kg eigengewicht, vollgetankt und mit mir (der dödel im roten shirt mitten im bild!) locker über eine halbe tonne, alles auf zwei rädern, dazu einen größenwahnsinnigen 6-zylinder-boxer mit anderthalb litern hubraum, einem drehmoment von 150 Nm, 80% davon bei leerlaufdrehzahl von 750 rpm verfügbar und einer nennleistung von 101 pferden…

und erstaunlich wendig, sogar alltagstauglich! und luxuriös… und den rest kennt ihr ja bereits, sonst eben nachlesen ein paar freds vorher… oder meint ihr, ich tipsle den schrott von letzter woche nochmals ab?

alles in allem, drei unterschiedliche konzepte, drei unterschiedliche ideen, drei unterschiedliche bikes, aber eines haben sie gemeinsam: jede ist für sich eine kleine, aber feine idee der techniker von honda, einmal pure lebensfreude im alltag für kleines geld und große welt, das andere mal der horror aller, die meinen, ihre markengeräte wären unschlagbar und ihre meisterin damals kennen lernen durften und zuletzt die ganz eigene lebensphilosophie…

und dazu der ruf der drei, unkaputtbar, zuverlässig und trotzdem immer noch eine geeignete basis, seine eigene identität als fahrer und biker zu leben…

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4 Antworten

  1. heckpartie ist grad in arbeit… momentan nackt und mit den beiden seitenkoffern, aber rearfenderrack und josy’s appartement sind schon in arbeit! und nächstes jahr vielleicht ein brauchbarer tank, so 20l oder mehr… dann kann meine frau mit der magna endlich auch mal 250 oder gar 300km am stück abreißen…

  2. Ich glaube das Teil hat Potenzial. Diesen fetten Tank weg, was schönes aus Alu, Speichenfelgen ran…doch ich glaube das wäre ein edles Teil! Das Plüschteil von der Sissybar kann ja anderswo montiert werden

  3. aus der magna einen café-racer bauen??? sag mal, welche drogen nimmst du denn??? hab gestern sissybar und den sozius demontiert, eine sch**ß-arbeit… jetzt kommt ein rear-rack mit notsitz drauf, damit kann dann wahlweise die hundebox, die uns ein bootsbauer baut, montiert werden…

    café-racer… mit vier auspuffrohren??? hab ich noch keinen gesehen, und eine vier-in-eins-anlage wäre bei dem anblick ein frevel…

  4. Aus der Magna kann man mit Sicherheit einen edlen Café Racer bauen. Der Motor ist hübsch, das drumherum…naja Chopper eben. Tja dafür hat der deutsche Markt wohl Black Widow und Konsorten bekommen.

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