
Wer sich intensiver mit Motorradreifen beschäftigt, merkt schnell: Ganz so simpel ist das Thema nicht. Es gibt unzählige Unterschiede bei Gummimischungen, Profilarten oder Radial- vs. Diagonalreifen. Doch bevor es so tief in die Materie geht, steht eine ganz grundlegende Frage im Raum: Schlauchreifen oder schlauchlos?
Die Antwort hängt – wie so oft – von deinem Motorrad und deinem Fahrstil ab. Hier findest du die wichtigsten Vor- und Nachteile beider Systeme.
Schlauchreifen – Oldschool, aber nicht nutzlos
Früher waren Schlauchreifen der Standard. Heute sieht man sie fast nur noch bei Offroad-Bikes oder Motorrädern mit klassischem Retro-Look.
Der Grund: Viele Speichenräder sind konstruktionsbedingt nicht luftdicht, also braucht es einen Schlauch. Aber auch im Gelände haben Schlauchreifen noch Vorteile:
- Niedriger Luftdruck möglich: Mehr Grip im Dreck, besseres Fahrgefühl, weniger Risiko von Durchstichen.
- Unempfindlicher gegen Felgenschäden: Auch eine angeschlagene Felge verliert mit Schlauch nicht gleich Luft.
- Einfacher Austausch: Schläuche sind günstig, leicht mitzunehmen und unterwegs flickbar.
Aber es gibt auch klare Schattenseiten:
- Plötzliches Luftverlieren: Wenn du bei 120 km/h einen Nagel einfährst, entweicht die Luft meist sofort.
- Anfälliger für Reifenplatzer: Besonders bei hohen Temperaturen.
- Reparatur ist mühsam: Rad ausbauen, Reifen von der Felge, Schlauch flicken oder tauschen, wieder einsetzen – das kostet Zeit, Werkzeug und Nerven.

Schlauchlose Reifen – moderner Standard
Die meisten aktuellen Motorräder rollen auf schlauchlosen Reifen. Kein Wunder, denn sie bringen eine ganze Reihe von Vorteilen mit:
- Mehr Sicherheit: Kleine Durchstiche führen oft nur zu langsamem Luftverlust.
- Pannenfreundlich: Mit einem kleinen Reparaturset kannst du ein Loch unterwegs in Minuten flicken – ohne Rad- oder Reifenabziehen.
- Hitze- und laststabil: Ideal für hohe Geschwindigkeiten, schwere Bikes und lange Touren.
- Leichter: Vor allem in Kombination mit Alufelgen.
Natürlich gibt’s auch hier ein paar Nachteile:
- Nicht jeder Schaden ist reparabel: Meist brauchst du bei einem Durchstich einen neuen Reifen.
- Empfindlich gegenüber Felgenmacken: Unebenheiten an der Felge können Luftverlust verursachen.
- Druckkontrolle Pflicht: Mit zu wenig Luft zu fahren ist gefährlich – außer du schaffst es vorsichtig bis zur nächsten Tankstelle.

Mischlösungen – geht das?
Ja, es ist möglich, einen Schlauch in einen schlauchlosen Reifen zu legen. Und auch ein schlauchloser Reifen kann auf ein Rad montiert werden, das eigentlich für Schläuche gedacht ist. Ob das sinnvoll ist, hängt aber stark von Reifen- und Felgentyp ab. Viele Hersteller bieten inzwischen Reifen an, die beides können.
Fazit
Die Wahl zwischen Schlauch- und schlauchlosem Reifen ist keine reine Technikfrage, sondern hängt von deinem Einsatzbereich ab:
- Offroad und Abenteuerreisen: Schlauchreifen sind robust, unterwegs leicht zu flicken und bei Speichenrädern oft alternativlos.
- Straße, Touren, Sport: Schlauchlose Reifen bieten mehr Sicherheit, Komfort und einfache Pannenhilfe.
Mein Tipp: Überlege dir, wo du die meiste Zeit unterwegs bist – und wähle danach. Denn den einen „besten“ Reifen gibt es nicht, aber es gibt den besten für dich.
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