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von in Hersteller, Unternehmen mit 2221 Views

Hightech am Motorrad, die Preisspirale dreht sich

Ein altes Spiel, jedes Jahr aufs Neue setzen die großen Hersteller mit technischen Neuerungen die Messlatte etwas höher. „Ist doch schön!“ oder „Wunderbar!“ wird der Konsument nun sagen. Wer fährt nicht gern ein brandheisses, von der Fachpresse gern „Topmodell“ genanntes Spitzenprodukt der Ingenieurskunst? Spätestens alle 2 Jahre kommt in der 600er und 1000er Sportlerliga ein größeres Update des jeweiligen Modelles. Also nach dem Spiel: biete wieder etwas, was der Käufer unbedingt haben muß. Nur, macht dies wirklich den Reiz aus nun wieder ein tolles neues Motorrad zu fahren, was 1 kg weniger wiegt als der Vorgänger und 2-3 PS mehr leistet?

Und im Umkehrschluss die Frage: warum geht dieser hektische Trend an Fahrern von Choppern, Cruisern, Enduros und was es alles gibt so gänzlich vorbei? Dort kommt im Schnitt alle 5 Jahre eine größere Überarbeitung, bei einigen dauert es noch länger. Scheinbar müssen diese unterschiedlichen Kundengruppen ihre Ansprüche gänzlich verlagert haben.

Kleines Beispiel:

Während Harley-Davidson alte Technik und kleine Neuerungen fast als Errungenschaften an den Kunden weitergibt und damit sehr erfolgreich fährt, ja es sogar noch schafft diese Kunden langfristig an sich zu binden, ist man es in der schnelllebigen japanischen Sportlerklasse gewöhnt von einer schneller flukturierenden Käuferschicht zu leben. Es wird den Fans so vorgeben, er scheint es umzusetzen. Alles schön und gut. Nur wird dieses Schema ewig funktionieren? Der Markt ist jetzt bereits gesättigt, die Verkäufe laufen viel schleppender als die Jahre bevor. Ist es da vernünftig den Kunde mit immer gleichen Werbesprüchen zu ködern? Sicherlich, Motorräder wie Yamaha YZF-R6, YZF-R1, Kawasaki ZX-10R, Honda CBR1000RR haben einen enormen Reifegrad erreicht. Der Spruch „Was soll nun noch kommen“ wurde vor 20 Jahren bereits gebracht. Weiter nach oben ging es bis jetzt immer.

NUR: wo liegt das in einem vertretbaren Rahmen? Die Entwicklung kostet Geld, ein Ingenieur möchte bezahlt werden, ebenso neue Materialien wie verstärkt Titan, Magnesium, Carbon. Eben das, was Motorräder schnell, stark und leicht macht. Dazu kommt der Einsatz modernster Elektronik. Tachowelle? Vergaser? Diese Errungenschaften aus dem vergangenen Jahrhundert haben funktioniert, sind aber inzwischen undenkbar geworden. Auch durch sich veränderte Abgasvorschriften, sicher.

Einer dieser kleinen Punkte wo ich mich frage, ob diese Entwicklung Sinn macht. Sinn dahingehend, ob der Motorradfahrer diesen Hightech braucht und bereit ist ihn auch in Zukunft weiter zu bezahlen. So schön viel Leistung auch sein mag. Wenn Hersteller S eine Software benötigt um den Fahrer nicht zu überfordern, Hersteller B mit überkomplexen Bremssystemen Kunden verwirrt oder Hersteller H den Abwurf mit einer Antischlupfregelung zu verhindern versucht. Selbst einen Airbag gibt es inzwischen für das Motorrad.

Für Hightech wäre also gesorgt. Löblich auch wenn ein System wie ABS dem Fahranfänger etwas die Unsicherheit nimmt. Oder es simuliert ihm Sicherheit, auf einem Motorrad mit Mensch als Knautschzone, wie auch immer. Zumindest steht fest, daß es sich positiv auf die Psyche auswirkt. Fein! Oder doch nicht? Ging es nicht seit Anbeginn auch ohne diese Technik?

Tatsache ist, ein Motorrad ist heute mehr Hobby als früher, wo es vor allem ein günstiges Fortbewegungsmittel war. Dazu sind die Preise inzwischen zu hoch. Nur wo soll diese Spirale enden? Wird das Motorrad zu einem Luxusgegenstand für Besserverdiener? Sollte eine 600er Rennmaschine trotz all dem Potenzial gute 11.000 Euro kosten? Persönlich finde ich: nein. Das Motorrad verkommt zu einer überreifen Frucht wo wirkliche Fortschritte für den Normalsterblichen Motorradfahrer marginal sind. Aber man soll kaufen. Die großen Zeitungen bringen immerhin regelmäßig Testberichte wo der Interessierte sieht „Aha, Motorrad A ist 0,3 Sekunden schneller als Motorrad B, die muß super sein“. Ein gegenseitiges Pushen nach Bestwerten, wo der Käufer aber auf der Strecke bleibt.

Schöne neue Welt!

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