milchpilz

von in Zweiradstories mit 1481 Views

der bodensee

als bodenseeanrainer, was liegt denn da näher, zu saisonbeginn mit ein paar freunden eine dezente runde um den see zu drehen, grad mal 180km, wenn man den kleinen ausläufer nach schaffhausen weg läßt? läßt sich locker und gemütlich an einem nachmittag fahren und man hat genug muße und zeit, das herrliche panorama und die kleinen ortschaften am seeufer mit all seinen eindrücken in sich aufzusaugen…

als bregenzer ist der ausgangspunkt der rundfahrt natürlich bregenz, klar, dann aber gleich richtung schweiz… warum? nun, die etwas sehr sonderlichen weisen, wie unsere eidgenössischen nachbarn ihre fahrzeuge bewegen, alles nicht besonders vertrauenerweckend, aber gut, dafür sind sie ja schweizer… aber auch ihr anteil am bodenseeufer ist recht ansehnlich und schön zu befahren…

zuerst mal richtung gaißau, den see leider nicht im blickfeld, dafür aber durch ein paar kleine, österreichische ortschaften wie fußach, höchst der schweizer grenze entgegen, auf sanften kurven dahinschwingend und irgendwie trotzdem den seeduft in der nase…

die grenze passiert, weiter in richtung romanshorn, schöne, sanft geschwungene kurven, tempo 80, mehr ist nicht erlaubt, toleranz gibt es nicht, also, dann eben auf die sanfte tour und mit genuß…

Rohrschacher Hafen

Rohrschacher Hafen

die kleinen dörfer, richtig kuschelig schmiegen sich die häuschen aneinander, dazwischen vereinzelt ein paar flache wohnsiedlungen, alles typisch eidgenössisch, mit viel zierrat und liebe zum detail gebaut, kunsthandwerk und liebe zu alten amischlitten, moderne technik und altes brauchtum, nichts schließt sich aus, alles geht in einander über, gelebt von den menschen dort und liebevoll zur schau gestellt, jeder bringt sich selbst in eine sanft geschwungene landschaft ein…

dazu an der straße kurz vor kreuzlingen ein rastplatz mit wunderschöner aussicht über ein wohnwagendorf hinunter zum see (ja, genau dort, wo bei richtigem sonnenstand ein weißer strich quer über den see zu sehen ist… und der strich ist die erdkrümmung, von da weg geht’s nach deutschland nur mehr bergab…), bevölkert von den verschiedensten bootsformen, rustikal, modern oder auch linienverkehr… ein wunderschöner anblick…

nach einer kurzen rast dann die letzten kilometer durch die eidgenossenschaft, kreuzlingen mit seinen vielen kreisverkehren, mehr als bis romanshorn zu überleben waren, so scheint es… enge straßen am bahnhofen und am hafen vorbei, die häuserfront lichtet sich und dann geht es über eine kleine kuppe runter zum allseits gefürchteten kreisel vor dem grenzübergang nach konstanz…

ein freundliches nicken der beamten, weiter geht’s, hinein in die universitätsstadt konstanz, die stadt mit dem sealife-center, wo wundervoll aufgebaut die bewohner des rheins, seines zulaufs und seines abflußes, dem menschen anschaulich nähergebracht werden, liebevoll gehegt und gepflegt von fachkundigem und bereitwillig erklärenden personal… (ein tip, wenn man mal einen schönen tag mit kindern verbringen will!)

konstanz hinter uns, der straße lang… rechts ein sportflugplatz, einer der vielen im bodenseeraum…

bodan, ludwigshafen, wir kommen! sanft gleiten wir durch die langgezogenen kurven, über sanfte hügel und ein kurzes stück autobahn… hinein in eine kleine, aber freundlich anmutende stadt am deutschen ufer des bodensees… ludwigshafen, kultur, oldtimerveranstaltungen und tonnenweise pensionisten…

ein kurort? keine ahnung, aber es ist dort jedenfalls sehr belebt…

eine kurze rast, ein gemütlicher kaffee… und überall stehen motorräder herum, scheint also doch einiges los zu sein, auch bei bikern offensichtlich ein beliebtes ziel…

weiter geht’s mit ziel richtung friedrichshafen, so weit wie’s geht durch die kleinen dörfer durch, dem see entlang, kurviges geläuf, schön ausgebaut, zwar keine bergwertungen, aber es macht trotzdem laune, so nah dem see entlang zu flanieren… und immer wieder kleine, typisch deutsch angehäufte häusergruppen, bunt, fröhlich und irgendwie braves bürgertum und rechtschaffenheit ausdrückend, deutlich anders als in der schweiz, eben so, wie man sich landläufig „typisch deutsch“ vorstellt…

in friedrichshafen mal kurz in die altstadt eingefallen, die bikes abgestellt, ein kleiner spaziergang und die kehle anfeuchten, den hafen mit den beiden katamaren erleben (fridolin heißt der eine, den anderen, na, den weiß ich nimmer…) und dann weiter, wer lust hat, macht vorher einen abstecher zum zeppelinmuseum oder später einen zur zeppelinwerft, beides auf jeden fall sehenswert und für technikfreaks interessant…

und dann verliert man kurzzeitig den see aus den augen, auf dem weiteren weg nach lindau, dem hafen, wo sich alle drumstreiten, wem er gehört… vielleicht doch den bayern oder doch nicht? ist egal, hauptsache, lindau bleibt, wo’s ist, leider am wochenende für motorräder gesperrt, also per pedes die insel erkunden, was ja auch nicht weiter dramatisch ist… und natürlich die mondäne fassade des bayrischen hofs bewundernd in die engen und winkeligen gäßchen der insel eintauchen, keine autos, nur fußgängerzone und touristen… und souvenirläden, ja, so stellt man sich eine groß angelegte touristenfalle vor… egal, ein trotzdem wärmendes städtchen, für unsere bikerinnen dezent als „romantisch“ bezeichnet…

dann wieder raus aus lindau, dem ösiland, dem land der verhinderten alpendjangos entgegen…

und zum abschluß einer gemütlichen runde noch was kühles vom legendären milchpilz, dem eigentlichen wahrzeichen der bregenzer…

Bregenzer Milchilz

Bregenzer Milchilz

 

Tja… 180 km sind nun geschafft, aber vielleicht bekommt ja nun der eine oder andere auch Lust, mal eine gemütliche Bummeltour durch drei Länder an einem Nachmittag zu machen…

Update: kleine ausblicke von der schweiz über den bodensee nach deutschland…

bodensee-runde 2009

bodensee-runde 2009

schöne rücken können auch entzücken

schöne rücken können auch entzücken

endlich: der bodensee

endlich: der bodensee

so am rande: für ein paar euro kann das langweiligste stück über die schnellstraße mit der fähre umfahren werden, macht auch spaß!