Kawasaki ZZR1400 ABS 2012 (1)

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Kawasaki ZZR1400 ABS 2012: Potenter Tourer

Kawasaki ZZR1400 2012 Technik Details

Routinierte Fahrer sollen die hohe Motorleistung der ZZR1400 ungefiltert abrufen können. Allerdings besteht die Möglichkeit – je nach Straßenverhältnissen oder Vorliebe – die Vorteile bestimmter hochentwickelter elektronischer Assistenzsysteme zu nutzen.

KTRC (Kawasaki TRaction Control) mit drei Betriebsarten

Das KTRC-System der Ninja ZX-14R kombiniert die besten Elemente der beiden Traktionskontrollsysteme von Kawasaki: S-KTRC und KTRC. Drei Betriebsarten decken ein großes Spektrum von Fahrbedingungen ab – vom maximalen Vortrieb bei sportlicher Fahrweise bis hin zur höchsten Sicherheit auf glatten Straßen.

  • Fahrer können zwischen drei Betriebsarten wählen. In Mode 1 und 2 liegt die Priorität auf maximalem Vortrieb (wie beim S-KTRC-System der 2011er-Ninja ZX-10R). Mode 3 ist mit dem des KTRC-System vergleichbar, das für die 2010er-1400GTR ABS angeboten wird; es verleiht dem Fahrer mehr Sicherheit auf glatter Straße. Das System lässt sich bei Bedarf auch komplett abschalten.
  • Verglichen mit den drei Betriebsarten, die das S-KTRC der Ninja ZX-10R bietet (bei dem der Fahrer mit verschiedenen Parameterkombinationen experimentieren konnte, um sein Motorrad auf die jeweilige Streckenführung abzustimmen), sind die Unterschiede zwischen den drei Betriebsarten der ZZR1400 viel einfacher zu erkennen und decken ein wesentlich weiteres Spektrum an Fahrbedingungen ab.
  • In Mode 1 und 2 ermöglicht die ausgeklügelte Programmierung einen gewissen Schlupf – der zur größtmöglichen Beschleunigung notwendig ist. Das ideale Schlupfverhältnis variiert je nach Bedingungen. Das System analysiert zahlreiche Parameter, um ein genaues Echtzeitbild der Situation zu erhalten: Vorder- und Hinterraddrehzahl (Schlupf), Motordrehzahl, Fahrdynamik und Fahrer-Input.
  • Anhand einer komplexen Analyse ist das System in der Lage vorauszusagen, wann die Traktionsbedingungen ungünstig werden. Indem das System eingreift, bevor der optimale Traktionsbereich verlassen wird, können Leistungsverluste minimiert und ein seidenweicher Betrieb sichergestellt werden.
  • Die Bedingungen werden im Abstand von 5 Millisekunden abgefragt. Das System greift in die Zündung ein, was eine extrem schnelle Reaktion ermöglicht.
  • In Mode 3 (der Betriebsart mit dem weitestgehenden Eingriff) kommt während des normalen Betriebs die gleiche Logik und Kontrolle zum Einsatz wie in Mode 1 und 2. Wenn die Drehzahl des Hinterrads jedoch höher ist als die des Vorderrads, schaltet Betriebsart 3 auf eine Dreiwege-Steuerung um. Hierbei werden Zündzeitpunkt, Kraftstoffzufuhr und Ansaugluft (über die Sekundärdrosselklappen) geregelt. Die Motorleistung wird so weit zurückgenommen, bis das Hinterrad wieder Traktion hat. Insbesondere die Regelung der Sekundärdrosselklappen ermöglicht einen seidenweichen Betrieb. Diese sehr feine Regelung ergibt ein ganz natürliches Fahrgefühl: Der Eingriff erfolgt sanft, die Übergänge sind fließend, und die Stabilität bleibt über die gesamte Eingriffszeit erhalten. (Während das KTRC-System der 1400GTR absichtlich verzögert eingreift, damit der Fahrer den Schlupf am Hinterrad spüren konnte, arbeitet Mode 3 bei der ZZR im Wesentlichen verzögerungsfrei.)
  • In Mode 3 kann der Fahrer dank KTRC kurze rutschige Stellen (wie z. B. Gleise oder Kanaldeckel) ebenso sicher meistern wie ausgedehntere Streckenabschnitte (wie z. B. nasse Straße, Kopfsteinpflaster, Rollsplitt usw.). Auch beim Anfahren auf glatter Straße wird der Schlupf begrenzt.
  • Das System unterscheidet zudem zwischen Power-Wheelies, die allmählich ablaufen, und plötzlichen Wheelies, die gefährlich sind. In Mode 1 und 2 sind Power-Wheelies zulässig, solange eine akzeptable Beschleunigung gewahrt bleibt. Bei plötzlichen Wheelies greift das System ein. In Mode 3 werden alle Wheelies unterbunden.
  • Das System kommt mit minimaler Hardware aus und setzt stattdessen auf eine komplexe Softwarelösung. Abgesehen vom Motorsteuergerät verlässt sich das System nur auf Drehzahlsensoren an Vorder- und Hinterrad. Der Gewichtszuwachs bleibt daher minimal (bei ABS-Modellen gar kein Mehrgewicht, da diese bereits mit Drehzahlsensoren ausgestattet sind).
  • Standardmäßig ist das KTRC-System stets eingeschaltet, wenn der Motor gestartet wird. (Hierbei wird der Mode vorgegeben, in der der Motor zuletzt abgeschaltet wurde. Falls das System vom Fahrer abgeschaltet wurde, wird beim erneuten Anlassen Mode 1 vorgegeben.) Der Fahrer kann das System auch deaktivieren (mit der Ein-/Ausschalttaste an der linken Lenkerarmatur).
  • Ein Balken am LCD-Display informiert den Fahrer über die Systemaktivität.

Power-Modus

  • Durch Wechsel zwischen Full-Power- und Low-Power-Mode kann der Fahrer die Leistungsentfaltung auf Vorlieben und Streckenzustand hin auswählen. In der Low-Power-Betriebsart ist die Leistung auf etwa 75 % der vollen Leistung begrenzt. Gleichzeitig erfolgt die Gasannahme sanfter. (Leistungsabsenkung und Gasannahme variieren je nach Motordrehzahl, Drosselklappenstellung und Gangwahl.)
  • Das KTRC-System und der Power-Modus erlauben die Wahl unter insgesamt acht möglichen Kombinationen. Ein routinierter Fahrer mit sportlicher Fahrweise kann sich auf trockener Straße beispielsweise für Full Power und KTRC-Mode 1 entscheiden. Auf nasser und/oder glatter Straße könnte er Low Power und KTRC-Betriebsart 3 wählen. Jedes System lässt sich unabhängig einstellen, um der Vorliebe und Erfahrung des Fahrers, dem Einsatzort und den Straßenverhältnissen bestmöglich gerecht zu werden.